Kovacs Appell für die Menschlichkeit

Kovac, derzeitiger Trainer beim FC Bayern München sprach bei der letzten Pressekonferenz am 16.05.2019 ein Problem an, mit dem sehr viele Menschen tagtäglich konfrontiert sind. Die täglichen Anforderungen können Menschen unter enormen Leistungsdruck stellen, überfordern und krank machen. Doch welcher Teufelskreis dahinter steckt, ist Vielen nicht klar.

Hinter Leistungsdruck steckt Erfolgsdruck. „Ich muss alles richtig machen. Ich muss perfekt sein. Ich darf nicht versagen.“  Die Angst zu versagen bedeutet, man möchte perfekt sein, den Anforderungen und Erwartungen 100%ig gerecht werden, immer die optimale Leistung erbringen. Erfüllt man dies nicht, befürchtet man Tadel, Kritik und Ablehnung. Die Gedanken dahinter sind: „Ich bin nicht gut genug. Ich bin minderwertig und dumm. Ich bin unfähig. Ich bin ein Versager.“  Der fehlende Selbstwert ist ein Grund für die Selbstverurteilung und Selbstabwertung.

Und weil man überzeugt ist, nicht gut genug zu sein, legt man so großen Wert auf die Anerkennung Anderer. „Ich bin nur gut genug, ich bin nur dann etwas Wert, wenn Andere mir sagen, dass ich es bin, wenn ich also Leistung erbringe.“ Man macht seinen (Selbst-) Wert von der Meinung, von dem Urteil Anderer abhängig. So möchte man immer alles richtig machen, immer die optimale Leistung erbringen, um bloß nicht kritisiert zu werden, um bloß keine Angriffsfläche für den Anderen zu bieten. „Denn wenn ich versage, blamiere ich mich und die anderen werden mich auslachen und mich ablehnen.“ Die Ablehnungsangst fühlt sich für den betroffenen Menschen wie eine existenzielle Bedrohung an – ganz so wie man es in der Kindheit erlebt hat, als die Eltern auf einen sauer waren. Man hat das Gefühl, verstoßen, isoliert und nicht geliebt zu sein.

Für den betroffenen Menschen ist also nicht das Nichterbringen der gesetzten Leistung, also das Versagen das Problem, sondern die Ablehnung, die folgen könnte.

Der Teufelskreis dahinter: Da man ständig befürchtet, wieder zu versagen hat, den gesetzten Erwartungen und Anforderungen nicht zu entsprechen, orientiert man sich gar nicht auf den Erfolg, sondern den befürchteten Misserfolg. Man hat kein Selbstvertrauen. Man konzentriert sich gar nicht mehr auf die Aufgabe an sich, sondern ist auf die Angst zu versagen fokussiert.  Und so könnte es passierten, dass man dadurch tatsächlich nicht die nötige Konzentration für die Leistung erbringt und sich das erfüllt wovor man letztendlich Angst hatte. Dies nennt man in der Psychologie selbsterfüllende Prophezeiung.

Die Folgen sind die von Kovacs aber auch von vielen anderen unter Erfolgsdruck stehenden Leistungssportlern wie auch Künstlern erwähnte Depression, Magersucht, Burnout oder auch Alkohol- und Drogenmissbrauch.

Kovac appellierte in der Pressekonferenz an die Menschlichkeit. „Wir müssen mehr den Menschen sehen. […} mehr Empathie, nicht immer nur draufhauen, immer nur mehr und noch mehr.“

Knapper und treffender möchte ich es nicht ausdrücken.

Wie man mit Versagensängsten umgehen kann, welche Tipps und Strategien man anwenden kann, sehen Sie in meinem demnächst kommenden Video.

Die Informationen ersetzen keine Diagnose oder Behandlung durch einen Psychotherapeuten. Jede Haftung für Personenschäden wird ausgeschlossen.

Foto: Adobe Stock