Paartherapie

Meine Gefühle - deine Gefühle
Oft warten Paare bis 5 vor 12, ehe sie eine Paartherapie aufsuchen. Meist stecken beide bereits tief und fest in der Teufelsspirale von Wut, Angst, Trauer und Hass. Meistens geht es nicht mehr um Meinungsdifferenzen und unterschiedliche Ziele aus dem alltäglichen Leben. Sie werden jedoch als destruktive Werkzeuge benutzt, um die eigenen Bedürfnisse durchzusetzen. Man klagt, verhält sich gereizt, aggressiv, macht permanent Vorwürfe, um den Bindungskontakt und emotionale Verbundenheit zum Partner wiederherzustellen.
Partnerschaftskonflikte signalisieren eine gestörte Bindungsbeziehung. Permanent eskalierender Streit, Vorwürfe, Beleidigungen sind Ausdruck der Auflehnung, des Aufstands. Man möchte eigentlich das Wir-Gefühl, die Intimität und emotionale Verbundenheit mit dem Partner wiederherstellen. Enttäuschungen, Verzweiflung, Ärger, Frust sind nur einige Gefühle, über die Paare berichten, deren Beziehung in einer Krise steckt. Der Weg zur Resignation und im weiteren Schritt zur Trennung ist meist nicht mehr weit. In der Hoffnung auf eine schnelle Veränderung greifen Paare zum vermeintlich letzten Mittel, einer Paartherapie. „Die Paartherapeutin wird’s schon richten, sie repariert unsere Beziehung.“ Die Erwartungen an die Paartherapie und an die Therapeutin sind dementsprechend hoch.
Um falschen oder überzogenen Erwartungen zuvorzukommen sowie Zweifel auszuräumen und Fragen zu beantworten, habe ich eine Liste mit den häufigsten Fragen zusammengestellt, die ich für Sie ausführlich beantwortet habe:

 

  1. Wie läuft das Erstgespräch ab?
In einem Erstgespräch, das in der Regel 90 Minuten dauert, klären wir den Grund Ihres Kommens, den Krisenanlass, die momentane Lebens- und Beziehungssituation aus der Sicht beider Partner. Probleme, Unvereinbarkeiten und Gemeinsamkeiten werden so gut wie möglich herausgearbeitet und definiert. Gemeinsam legen wir eine Zieldefinition für die nächste Beratungsstunde fest.

 

  1. Wie laufen die darauffolgenden Gespräche ab? Welche Inhalte hat eine Paartherapie?
In den weiteren Sitzungen werden dysfunktionale Verhaltensmuster anhand konkreter Probleme aufgezeigt, Ihre Themen und Sorgen in neue Zusammenhänge gestellt. Bewältigungsressourcen werden herausgearbeitet. Kommunikations- und Problemlösetechniken werden trainiert, dabei sind Selbstbeobachtungs- sowie Verhaltensübungen, auch „Hausaufgaben“ wichtiger Bestandteil des Prozesses.
Es kann auch sein, dass wir die Ziele für die Beratung noch einmal neu definieren. Dies sind bereits wesentliche Schritte in Richtung Veränderung. Die Gespräche dienen der vertiefenden Arbeit an den ausgewählten Themen.

 

  1. Wie lange dauert eine Sitzung?
In der Regel werden für die Sitzung 60 – 80 Minuten angesetzt.

 

  1. Wie viele Sitzungen werden angesetzt? Wie lange dauert eine Paartherapie bzw. eine Paarberatung?
Diese Frage ist schwer zu beantworten. Eine allgemeingültige Regel, auf die die Antwort angewendet werden könnte, existiert nicht. Wie viele Sitzungen angesetzt werden, ist von Paar zu Paar unterschiedlich, hängt von der Problematik, dem Beziehungsthema ab und wird vom Paar maßgeblich mitbestimmt. Auch die Häufigkeit der Gesprächssequenzen innerhalb eines Monats bestimmt die Dauer der Paartherapie: Je nach Lage und Thema können etwa 4-5 Termine (Paarberatung, Trennungsberatung) oder 12-15 Termine (Paartherapie) sinnvoll sein. Der Abstand zwischen den Terminen kann, je nach Bedarf, zwischen 1- 4 Wochen liegen. In der Regel verabreden sich die Therapeutin mit dem Paar im Zwei-Wochen-Rhythmus, bei akuten Krisen ist auch ein wöchentliches Treffen ratsam. Manchmal genügen bereits vier Gespräche um eine Problematik aufzuarbeiten, in anderen Fällen sind mehr als 12 Sitzungen nötig. Im Durchschnitt, so habe ich die Erfahrung gemacht, nehmen Paare 6-8 Sitzungen wahr.
Ganz wichtig: Sie entscheiden wie oft Sie an einer Sitzung teilnehmen möchten und ob eine Paarberatung bzw. -therapie für Ihren gemeinsamen Veränderungsprozess hilfreich ist.

 

  1. Was ist der Unterschied zwischen einer Paarberatung und einer Paartherapie?
Formal gesehen wird bei der Paarberatung ein klar eingegrenztes Thema besprochen und Lösungsansätze entwickelt. Sie ist kurzfristig auf vier bis sechs Sitzungen angelegt. Die Paartherapie ist ein langfristiger Prozess, in der Regel tiefgründiger und bezieht wichtige Aspekte des Lebens, der Vergangenheit, der Beziehungsgestaltung ein.
Umgangssprachlich gesehen werden beide Begriffe synonym verwendet. Ich mache keinen Unterschied zwischen beiden Begriffen, was mein methodisches Vorgehen und meine Grundhaltung betrifft, weshalb ich hier meistens den Begriff Paartherapie verwende.

 

  1. Kann ich allein kommen?
Auch ohne Ihre Partnerin oder Ihren Partner können Sie in der Partnerberatung kommen, um gerade die Veränderungen zu realisieren, die Ihre individuelle Situation erfordert.

 

 
  1. Was mache ich, wenn mein Partner nicht will?
Falls der Partner nicht mitkommen möchte, können Sie eine Paarberatung auch zunächst als Einzelberatung beginnen. Dem anderen Partner wird der Vorschlag gemacht, als Angehöriger einmal mitzukommen. Mögliche Ängste vor der Paartherapie werden sodann besprochen.

 

  1. Ist eine Paartherapie das Richtige für uns?
Bevor Sie sich entscheiden eine Paartherapie einzugehen, ist es empfehlenswert sich vorab einige Fragen zu stellen:
  1. Warum Paartherapie und warum ausgerechnet jetzt?
  2. Was möchte ich erreichen?
  3. Wieviel bin ich bereit an Arbeit, Zeit und Energie zu investieren?
  4. Was ist mein gewünschtes Ergebnis?
  5. Was erwarte ich von meiner Therapeutin bzw. meinem Therapeuten?
  6. Sind Sie vorbereitet bzw. haben Sie sich auf eine Paartherapie vorbereitet? Haben Sie mit Ihrem Partner darüber gesprochen und hegen sie beide Erwartungen?
  7. Welche Erfahrungen mit Therapeuten bzw. mit Therapien haben Sie bisher gemacht? Welche waren nützlich/ brauchbar? Aus welchen Therapiestunden haben Sie den größten Nutzen davongetragen? An welche erinnern Sie sich sehr gut?
Haben Sie die Fragen für sich beantwortet, können Sie fürs Erste gut einschätzen, ob eine Paartherapie das Richtige für Sie ist. Ein darauffolgendes Erstgespräch mit mir kann Fragen und letzte Zweifel ausräumen.

 

  1. Was bringt eine Paartherapie? Kann uns eine Paartherapie überhaupt helfen?
Die Paartherapie kann darin unterstützen, eine Beziehung neu zu beleben, zu vertiefen oder zu entwickeln und zur Fortsetzung des gemeinsam eingeschlagenen Lebensweges ermutigen. Sie kann helfen, festgefahrene Ansichten und Barrieren zwischen beiden Partnern abzubauen und Raum zu schaffen, damit beide wieder miteinander vorwurfsfrei und fair reden und verständigen können. Wenn sich im Verlauf der gemeinsamen Sitzungen dennoch für einen oder beide Partner zeigt, dass die Beendigung der Paarbeziehung dennoch unausweichlich wird, möchte ich Sie darin unterstützen, sinnvolle Zukunftsperspektiven zu finden.
Um klar zu sehen, genügt oft ein Wechsel der Blickrichtung. – Antoine de Saint-Exupéry.

 

  1. Ist eine Paartherapie überhaupt wirksam?
Die Wirksamkeit von Paartherapien ist international nachgewiesen (Dunn&Schwebel, 1995; Shadish& Baldwin, 2005). Rund 70 % der Paare nach einer Paartherapie erfahren eine deutliche Besserung. Bei 46-56 % der Paare ist diese Besserung auch noch nach fünf Jahren der Paartherapie nachweisbar (Christensen, Atkins, Baucom%Yi, 2010).

 

  1. Wer übernimmt die Kosten einer Paartherapie?
Die Kosten für eine Paartherapie werden von den gesetzlichen Krankenkassen oder den privaten Versicherungen in der Regel nicht übernommen. Sie müssen von Ihnen privat bezahlt werden.

 

  1. Was kostet eine Paartherapie-Stunde?
Die Kosten für eine Sitzung (60-80 min) belaufen sich auf EUR 120,-.

 

  1. Was bedeutet emotionsfokussierte Methode?
Mit der emotionsfokussierten Methode konzentriere ich mich darauf, eine Bindungsbeziehung wiederherzustellen. In mehreren Schritten wird dem Paar aufgezeigt, wie die sog. „Teufelsdialoge“ zu immer wiederkehrenden und eskalierenden Streit führen. Ziel ist es, die Partner für Bindungssignale wieder zu öffnen, positive Bindungssignale wiederzuerlangen.
Die emotionsfokussierte Paartherapie wurde von der Paartherapeutin Susan Johnson entwickelt. Zahlreiche Studien belegen die Wirksamkeit der Methode.
Einen Überblick über aktuelle Forschungsergebnisse finden Sie hier (zur Zeit nur auf englisch):
http://iceeft.com/images/PDFs/EFTResearch.pdf

 

 
  1. Gibt es Voraussetzungen?
Das Problem bzw. die Krise, unter der die Beziehung leidet, muss als Paarproblem erkannt werden und nicht als individuelles Problem eines Beziehungspartners. Beide Partner müssen mit dem Gespräch zu dritt einverstanden sein. Beide Partner müssen bereit sein, Aufgaben und Verantwortung zur Erreichung des Ziels zu übernehmen.

 

  1. Gibt es Kontraindikationen?
Paare, die körperliche Gewalt und sexuellen Missbrauch in der Partnerschaft erleben, Patienten, die bereits in Einzeltherapie sind oder Paare, die parallel bereits eine Paartherapie absolvieren, kann ich leider nicht aufnehmen. Ich bitte dafür um Verständnis.

 

  1. Was sollten wir noch beachten?
Eine Paartherapie ist immer auch ein Entwicklungs- und Veränderungsprozess, in dem beide Partner unterschiedlich voneinander mitwirken, der eine schneller, der andere weniger schnell. Jedem muss die Zeit eingeräumt werden, die er für seine Entwicklung braucht. Jedem Paar muss die Möglichkeit gegeben sein, sich individuell aufeinander zuzubewegen, ohne Zeitdruck. Deshalb ist es nicht sinnvoll, zu drängeln und Druck auszuüben.  Ein häufiger Grund für einen Therapieabbruch ist in diesem Zusammenhang Resignation, weil sich Veränderungen im häuslichen Milieu nicht wie erwartet schnell genug einstellen.  Ein anderer häufiger Grund ist Verzweiflung, wenn nach einer schnellen Veränderung („Tauwetter“) eine Art Rückfall erfolgt. Auch Enttäuschungen darüber, dass der Partner oder die Partnerin sich nicht gemäß eigener Wünsche verändern kann oder will, können zum vorzeitigen Therapieende führen. Wichtig ist, dass Sie Paartherapie als Prozess verstehen und wissen, dass Sie durch viele Täler gehen, Rückfälle erleben werden und sie beide sich aufeinander zubewegen müssen. Wenn sich etwas mal nicht in die Richtung bewegt wie Sie es sich erwünscht haben, ist das nicht als Misserfolg, als Versagen des Partners oder der Therapeutin zu werten, sondern gehört zum Prozess dazu. Bleiben Sie auf dem Weg, kämpfen sie beide weiter. Denn:
„Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren.“ (Bertolt Brecht)

 

 

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