Stress in der Beziehung

Stress in der Beziehung – der schleichende Tod der Liebe

Seien Sie ehrlich, tragen Sie beruflichen Stress in die Familie beziehungsweise in die Partnerschaft hinein? Umgekehrt, beeinflusst partnerschaftlicher und/oder familiärer Stress Ihre berufliche Leistungsqualität oder können Sie Stress einfach abschütteln und hinter sich lassen?
Jeder hat Stress schon mal erlebt. Stress bestimmt unseren Alltag
Wie wir mit Stress umgehen hängt von unserer Wahrnehmung und unseren Stressbewältigungskompetenzen ab und ist von Mensch zu Mensch verschieden, die Reaktionen auf Stressoren (, d.h. Faktoren, die Stress auslösen) immer individuell.
Doch was ist Stress überhaupt? Im allgemeinen Sprachgebrauch bedeutet Stress eine „subjektiv unangenehm empfundene Situation, von der eine Person negativ beeinflusst wird (auch Distress genannt)“[1].
Nun ist Stress nicht grundsätzlich negativ zu sehen. Evolutionsbiologisch gesehen ist er ein Programm unserer Gene, das Energie bereitstellte, um zu überleben, um bei Gefahren in Alarmbereitschaft versetzen zu werden, um Bedrohungen und Herausforderungen zu meistern. Wenn Gefahr zum Beispiel durch einen Angriff eines Raubtiers drohte, war der Mensch innerhalb kürzester Zeit kampf- oder fluchtbereit. Was den Urmenschen in Stress versetzte, kann auf heute nicht so leicht adaptiert werden. Wenn ein Auto auf uns zu rast, retten wir uns durch einen blitzschnellen Sprung auf den Bürgersteig (Flucht). Doch wer verlässt schon fluchtartig seinen Arbeitsplatz oder prügelt sich, wenn er Ärger mit seinem Chef oder seinen Kollegen hat? Und wie gehen wir mit den kleineren, alltäglichen Unannehmlichkeiten und Ärgernissen um, zum Beispiel, wenn wir im Stau stehen und uns dadurch verspäten, wenn uns jemand die Vorfahrt oder den Parkplatz (weg)nimmt, wenn die Reinigungsfrau nicht ordentlich geputzt hat oder (wieder mal) abgesagt hat? Was nutzt uns da die Kraft der Faust? Allzu oft richten sich die freiwerdenden Energien gegen den eigenen Körper. Hat der Mensch es nicht geschafft Erholungspausen einzulegen, steht er in ständiger Alarmbereitschaft. Je nach Dauer und/ oder Intensität der Belastung kann dies zu einer Überforderung führen und zu Erkrankungen, Fehlleistungen, Burnout, etc. hinsteuern. Stressbedingte Todesursachen sind zum Beispiel Herz-Kreislauf-Versagen, Suchterkrankungen, wobei erstere Platz eins der häufigsten Todesursachen belegt. Nicht ohne Grund hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Stress zu einer der größten Gesundheitsgefahren des 21. Jahrhunderts erklärt.

Berufliche und partnerschaftliche Probleme greifen oft ineinander.

Eine erfolgreiche berufliche Karriere kann ebenso wie Streit mit den Kollegen, Probleme mit dem Vorgesetzten oder die zunehmende berufliche Beanspruchung in einer komplexer werdenden Arbeitswelt hohe körperliche und seelische Kosten verursachen, wie etwa psychosomatische Erkrankungen, Suchtprobleme (auch Arbeitssucht), Burnout, etc.. Angst und Ärger im Bauch greifen auch auf das familiäre bzw. partnerschaftliche Klima über.  Umgekehrt können familiäre bzw. partnerschaftliche Probleme die berufliche Leistungsfähigkeit beeinträchtigen.
Stress kann alle Lebensbereiche erfassen und zu ernsten Problemen in der Partnerschaft und in der Familie führen. Nicht selten erwachsen diese Probleme zu handfesten Partner- und Familienkrisen sowie zum Verlust des Familienkreises. Erschwerend kommt zudem die Covid-19 Pandemie hinzu. Sie stellt für uns alle – beruflich wie privat eine Ausnahmesituation dar: Viele Paare arbeiten von Zuhause aus, die Kinder müssen im Homeschooling betreut werden. Das führt zu einer Doppelbelastung. Sie verbringen (unfreiwillig) mehr Zeit miteinander als sonst. Hinzu kommt dann vielleicht noch die räumliche Enge. Man kann sich nicht zurückziehen. Diese ungewohnte Situation führt zu zusätzlichen Konflikten. Gesellen sich Existenzängste hinzu, liegen die Nerven schnell blank. Die Frustrationstoleranz sinkt, man reagiert schnell impulsiv und streitbar.

Viele Paare scheitern an Stress.

Ob beruflicher Stress, familiärer und/ oder partnerschaftlicher Stress erlebt wird: Stress hat signifikante negative Effekte auf die Partnerschaftsqualität. Wenn man gestresst ist, reagiert man gereizt, rücksichtslos, rigid, sarkastisch. Der Partner reagiert darauf enttäuscht, frustriert, desillusioniert. Auch der Ton zwischen beiden Partnern wird rauer. Es fallen Äußerungen, die verbal oder auch nicht verbal oder durch die Art der Aussprache negativ gefärbt sind. Der Ton macht bekanntlich die Musik. Und diese Musik führt uns in einen Teufelskreis:  Kommuniziert man ungünstig miteinander, nehmen die negativen Äußerungen zu und die positiven Kommunikationsinhalte (Lob, Zustimmung, Liebesbekundungen) ab. Das führt dazu, dass sich die Partner emotional distanzieren und verschließen. Ein affektiver Austausch findet nicht mehr statt mit der Folge, dass sich die Partner entfremden. Die Liebe zum Partner erkaltet, die Partnerschaft bröckelt.
Stress verschlechtert somit die Kommunikationsqualität zwischen beiden Partnern und führt zwangsläufig dazu, dass die Unzufriedenheit mit der Partnerschaft zunimmt.
Paare unter Stress verbringen auch weniger Zeit miteinander, um sich liebevoll auszutauschen und in positiven emotionalen Kontakt zu treten. Auch haben Sie weniger Möglichkeiten, Nähe und Intimität sowie eine sexuelle Befriedigung miteinander zu erleben.
Diese destruktive Dynamik macht auf vor der Entwicklung der Kinder keinen Halt. Sie sind ganz sensible Katalysatoren für die Stimmung zwischen den Eltern.
Studien haben zudem belegt, dass die Zufriedenheit mit der Partnerschaft bei gestressten Paaren stärker abnahm und das Scheidungsrisiko signifikant höher war als bei Paaren, die besser mit Stress umgehen konnten.

Auf den Umgang mit Stress kommt es an

Stress muss nicht zwangsläufig zum Zerfall der Paarbeziehung führen. Sie sind nicht hilflos und ausgeliefert. Sie können frühzeitig gegensteuern, sowohl auf individueller Ebene als auch auf der Ebene des Paares. Erkennen Sie die negative Dynamik von Stress auf Ihre Beziehung, lernen Sie frühzeitig einzulenken, erfahren Sie wie Sie Ihre Stressbewältigungsressourcen nutzen und mit Alltagsanforderungen besser umgehen können. Gemeinsam Probleme lösen, sich wechselseitig unterstützen, liebevoll miteinander umgehen, konstruktiv und kommunikativ kommunizieren – in einem Stressmanagementseminar eignen Sie sich diese und weitere Stressbewältigungskompetenzen an.
Sie haben die Möglichkeit, an einem meiner Stresspräventionsseminare teilzunehmen. Als zertifizierte Stressmanagementtrainerin biete ich von der Krankenkasse bezuschusste Präventionsseminare an. Termine sowie weitere Informationen dazu finden Sie hier.
Sie wünschen eine individuelle Betreuung, ein auf Sie maßgeschneidertes Stressbewältigungskonzept? Stressbewältigungskompetenzen können auch – je nach Wunsch und Bedarf- im Rahmen einer Paarberatung oder einer individuellen Einzelberatung trainiert werden. Sprechen Sie mich unverbindlich darauf an!

Weiterführende Literatur:

Ein lesenswerter Artikel, der sich etwas ausführlicher mit den Auswirkungen von Stress in der Partnerschaft befasst, finden Sie hier:

https://www.familienhandbuch.de/familie-leben/partnerschaft/herausforderung-konflikte/stressundpartnerschaft.php

Johnson, S. und Vorspoh, E. (2019). Halt mich fest: Sieben Gespräche über lebenslange Liebe. Paderborn: Junfermann Verlag

[1] In Dorsch Lexikon der Psychologie. Verfügbar unter: https://dorsch-hogrefe-com.ub-proxy.fernuni-hagen.de/stichwort/stress)

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